Berichte

Protokoll der Vorstandssitzung der SGSE vom 11.06.2003

Protokoll über die Jahrestagung des AK "Stationäre Diabetesbehandlung in Sachsen" der Sächsischen Gesellschaft für Stoffwechselkrankheiten und Endokrinopathie e.V.

Termin: 11.06.2003, 16.00 Uhr - gegen ca. 19.50 Uhr, Plenarsaal der LÄK Dresden

1. PD Dr. M. Weck/Kreischa, Vorsitzender der Sächsischen Gesellschaft:

"Was gibt es Neues aus der Sächsischen Gesellschaft für Stoffwechselkrankheiten und Endokrinopathien."

Es sind Mitglieder zu werben, um die weitere Arbeitsfähigkeit der Fachgesellschaft zu gewährleisten.
Profilierung der Kliniken im Rahmen des DMP-Systems (Diagnosemanagementprogramm). Bericht vom Diabeteskongress in Bremen, wo die aktuellen Forderungen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zur Personalbesetzung (zwei Diabetologen, ein Psychologe etc.) der "Diabetes-Kliniken" durch Mitgliederbeschluss rückgängig gemacht wurden. Generell wird in den weiteren Ausführungen Sinnhaftigkeit und Praktikabilität der personellen Anforderungen in Frage gestellt.
Ankündigung: 27.09.03 1. Dresdner Fußtag.
Information über freie Assistenzarztstellen der Klinik Kreischa im Rahmen der Ausbildung zum Diabetologen.
Diskussion:

Vertreter vieler Kliniken wenden sich gegen die strukturell-personellen Anforderungen, die im Rahmen der Evaluierungen an sie gestellt werden. Sie befürchten, dass sich die großen Kliniken zu Ungunsten der kleinen profilieren wollen. Herr Weck betont in diesem Zusam-menhang, dass es jetzt gelte, neue Kriterien zu definieren und bittet alle, an der Erarbeitung der Definition neuer Kriterien teilzunehmen.

Prof. Bauch erinnert, dass bereits bei Gründung der AK das Ziel bestand, die Interessen aller Kliniken Sachsens, die sich besonders der Diabetes-Therapie widmen, zu bündeln und ge-meinsam für eine qualitativ hochwertige Diabetesbehandlung zu arbeiten.


2. Frau Dr. Rothe/Dresden:

"Zum aktuellen Stand der Einführung des RSA-DMP in Sachsen."

Die Probleme des RSA-DMP’s:

Das Programm ist gekoppelt an den Risikostrukturausgleich (RSA).
Die bisherigen Leitlinien wurden nicht akzeptiert. Die neuen Verordnungen arbeiten mit starren Richtlinien, deren Verletzung unter Umständen juristisch relevanter sein kann, als es bei den derzeitigen Programmen der Fall ist.
Integrierte Versorgung: die bewährten Regeln der Zusammenarbeit, die bis jetzt praktiziert wurden, dürfen offiziell nicht erscheinen. Es ist auf individuelle Überweisungskriterien Bezug zu nehmen.
Ein internes Qualitätsmanagement wird nicht empfohlen und durch die Kontrolle der Qualität der Krankenkassen übernommen.
Es ist zu erwarten, dass die DMP-Problematik etwa im Herbst auch die stationären Einrichtungen beschäftigen wird.
Elemente der DMP-Verträge:

medizinische Mindeststandards werden formuliert,
der Dokumentationsumfang ansteigend,
deutlich erweiterte administrative Prozesse,
Aufgaben der Kassen bei Betreuung von Diabetikern weiten sich aus,
Festschreibung der BVA-Festlegungen.
Was kommt auf den Patienten zu?

Patient muss sich zunächst einschreiben,
gesicherte Diagnose muss vorliegen,
Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung muss bestehen,
Teilnahme- und Einverständnisunterlagen müssen unterschrieben werden,
es besteht auf Schulung Anspruch,
nicht eingeschriebene Patienten können Blutzuckerstreifen nur über Arzneimittel-budget bekommen und können nicht in SPB behandelt werden.
Anforderungen an den Arzt:

Einschreibung in das Programm,
der Arzt muss sich bereit erklären, in ein Verzeichnis aufgenommen zu werden,
Einhaltung von Mindeststandards,
drei- bis sechsmonatliche Dokumentation,
individuelle Zielwertvereinbarungen müssen festgelegt werden,
einmal jährlich sollte der Diabetiker zum Augenarzt überwiesen werden,
jährlich Albuminkontrolle,
Überweisung an Schwerpunktpraxen nach 6 Monaten, wenn Zielwerte noch nicht erreicht sind,
Einsatz von bewährten medikamentösen Maßnahmen, deren Wirksamkeit in allen Punkten belegt wurden (Metformin, Glibenclamid, Human- und Schweineinsulin).
Begleitende orale Therapie wird festgelegt:

ACE-Hemmer,
Diuretika,
Beta-1-selektive Betablocker und
AT1-Rezeptorantagonisten in Sachsen,
zur Lipidsenkung Pravastatin und Simvastatin,
für die diabetische Neuropathie Amitriptylin, Carbamazepin, Gabapentin.
Inkrafttreten des 4. RSAV am 01.07.02:

Unterzeichnung eines DMP-Vertrages im Juli 2003,
Start der DMP in Sachsen 01.04.02,
Vorsprechen beim BVA in Bonn 13.05.03.
Teilnehmerzahlen:

teilnehmende Ärzte: 1.704, davon dokumentiert 1.130,
Anzahl Teilnehmer: 67.136,
Erstdokumentation 67.337.

Diskussion:
Die derzeitigen stationär betreuten Diabetiker werden mit ca. 2000 bis 3000 im Jahr angege-ben! Kriterien, die Kliniken im Rahmen eines RSA-DMP erfüllen, liegen noch nicht fest. Um einen aktuellen Überblick über die stationäre Diabetes-Behandlung in Sachsen zu erlangen, ist eine nochmalige Versendung des ausgewiesenen Erhebungsbogen an alle Einrichtungen durch Herrn Dr. Reichel vorgesehen.


3. Prof. Dreyer/Hamburg, 1. Vorsitzender der BVKD Hamburg:

"DRG und die Zukunft des Krankenhauses unter diabetologischen Gesichtspunkten."

Einleitend weist Prof. Dreyer auf die vom DDG formulierten kritikwürdigen Kriterien zur personellen Ausstattung der "Diabetes-Einrichtungen" hin. Die Forderung nach zwei Diabetologen gründet sich auf die Überlegung, dass ja einer der beiden Diabetologen im Urlaub sein könnte.

Allgemeine Feststellungen:

Deutschland hat das zweitteuerste, aber zwanzig beste Gesundheitssystem,
leistungsorientiertes Vergütungssystem,
Hinweis auf die in regelmäßigen Abständen erscheinenden Fachgutachten, die im wesentlichen zur Entscheidungsfindung in der Politik herangezogen werden,
heterogene Versorgungsstrukturen - ca. 400 Krankenkassen, 35 KV’en, 15 Kranken-hausgesellschaften und eine breitgestreute Versorgung mit Allgemeinmedizinern,
hausärztlich tätigen Fachärzten und fachärztlich tätigen Medizinern in den jeweiligen Disziplinen,
Probleme der Überversorgung, Unterversorgung in ländlichen Gebieten und Fehlverversorgung und Betrachtung des Gesundheitswesens unter gesamtgesellschaftlichen Erfordernissen),
Krankenhausbereich größter Arbeitgeber mit 1,03 Mio Beschäftigten,
55 Mrd. € Umsatz jährlich,
gleichzeitig begleitender Personalabbau von 1995-2001 4 %, Ausgabesteigerung jährlich, aber im Rahmen der Gesamtinflation widersprüchliche Daten, im internationalen Bereich insgesamt eine günstige Bewertung der Krankenhauslandschaft.
Entwicklung im Krankenhausbereich von 1990-2001:

Krankenhausbetten –133.000,
Verweildauer von 15 auf 9,8 Tage –34 %,
Anstieg der Krankenhausfälle um +2,6 Mio
Abnahme der Krankenhäuser um –196, entspricht –7 %
Prinzip des DRG:

DRG beinhaltet eine Fallpauschale für die gesamte Behandlung im Krankenhaus und stellt eine aufwandshomogene Behandlungsgruppe dar. Die einzelnen Vergütungsstrukturen im Krankenhaus wurden erläutert.

Vorausschau auf die Probleme der DRG-Einführung in Deutschland:

Verkürzung der Verweildauer wird eintreten,
Verlagerung der Behandlungen in prä- und poststationären Bereich,
Erhöhung der administrativen Kosten (in den USA bis auf das Dreifache),
Kostensenkung bei Krankenhausleistung,
Kostensteigerung im Gesundheitswesen insgesamt,
Gefahren (blutige Entlassungen, Masse statt Qualität, Zunahme der Fälle, damit Absinken des Basiswertes für alle Fälle).
Bettenabbau und Verweildauersenkung:

Transparenz in den Abrechnungen,
Bürokratieschub,
keine neuen Ergebnisse hinsichtlich der jetzt bestehenden leistungsorientierten Vergü- tung,
hoher Grad an Standardisierung und Konzentration im Krankenhauswesen.
Die Verschlüsselung ist 2003/2004 noch nicht budgetrelevant. Hier liegen noch ein haus- individueller Basisfallwert und ein 95-%iger Ausgleich möglicher Einbußen vor. Ab 2005 erfolgt eine zunehmende Budgetrelevanz, dann sind landeseinheitliche Basisfallwerte vorhanden und die Einnahmen setzten sich aus Leistung und Codierung für das ganze Haus im Sinne eines Case-Mix zusammen.

Hausinternes Qualitätsmanagement als unbedingte Notwendigkeit.

Hinweis auf das noch einzuführende Qualitätsmanagement:

Möglichkeiten der Einführung spezifisch klinisch diabetologischer Qualitätselemente. Hier besonders gut beschrieben im UTQEFQM mit DIN/ISO.

Abschließender Ausblick in die Zukunft:

Die Krankenhausversorgung wird sich neuen Bereichen öffnen, insbes. werden mehr ambu-lante Möglichkeiten im Krankenhaus geschaffen werden müssen. Eine integrierte Versor-gung ist erforderlich.

Wichtige Internetadressen zu den hier vorgegebenen Empfehlungen:

www.azg.de (Gesetze, Hinweise zu DMP’s, Leitlinien)
www.dkgev.de
www.bundestag.de
www.bvhd.de (Codierung für Diabetes)
www.g/drg.de.

4. Dr. A. Reichel /Dresden:

"Aktuelle Aspekte der Insulin-Pumpentherapie, Indikation, Technik, Wirksamkeit, Kompli-kationen."

Merkmale einer intensivierten Insulintherapie:

Nachteile einer CFII gegenüber ICT (Mehrkosten ca. 5 €),
Nennung der Indikation einer Insulin-Pumpentherapie,
Hinweise auf Studien für die Insulin-Pumpentherapie: Es existieren keine Studien, die explizit die Vorteile der Insulin-Pumpentherapie gegenüber der intensivierten Einstellung als Endpunktstudien oder Cross-over-Studien belegen.
Kontraindikationen zur Insulin-Pumpentherapie:

Drogenabhängigkeiten,
psychiatrische Erkrankungen,
intrapsychische oder psychosoziale Instabilität,
Unfähigkeit zur Blutzuckerselbstkontrollen,
fehlende Krankheitseinsicht,
Essprobleme,
aber auch fehlender Zugang zur ambulanten kompetenten Betreuung.
Abschließend wird dennoch auf die wesentlichen Vorteile der Insulin-Pumpentherapie hingewiesen. Die Möglichkeiten insbes. der Verbesserung der Typ-1-, aber auch Typ-2- Diabetiker werden hervorgehoben. Die Insulin-Pumpentherapie als wesentliches Element der Diabetesbetreuung ist unverzichtbar.


Bericht der Arbeitsgemeinschaften aus den jeweiligen Regierungsbezirken:

Arbeitskreis "Stationäre Diabetesbehandlung" Regierungsbezirk Chemnitz (OÄ Dr.Gericke):

Siehe Anlage.

Arbeitskreis "Stationäre Diabetesbehandlung" Regierungsbezirk Dresden (Dr. Reichel):

Siehe Anlage.

Arbeitskreis "Stationäre Diabetesbehandlung" Regierungsbezirk Leipzig:

Der Leipziger Arbeitskreis wird von einer Mitarbeiterin der Helius-Klinik Borna vertreten. Es haben halbjährliche Treffen der Arbeitsgemeinschaft stattgefunden. Es nahmen überwiegend nur klinisch tätige Ärzte teil. Man traf sich jeweils in einer anderen Klinik. Eine Themenvor-stellung erfolgte (Beispiele: "Diabetes und Herzinfarkt", "Typ-2-Diabetes und arterieller Hypertonus"). Jeweils zu einem Fachthema wurden auch gesundheitspolitische Probleme etc. im Arbeitskreis besprochen. Vorstellung der nächsten geplanten Treffen. Die bestehende Teilung der Treffen zwischen niedergelassenen und stationären Kollegen wird als vorteilhaft angesehen.


Schlusswort von Prof. Bauch/Hoyerswerda:

Die Problematik der Einführung der DRG’s und des RSA-DMP wird die stationären Ein-richtungen in Zukunft besonders intensiv beschäftigen. Die Vorträge und Diskussionen haben gezeigt, dass DRG und RSA-DMP nicht nur von ökonomischer, sondern auch struktureller Bedeutung sind und uns leider mehr beschäftigen als es unser Zeitfond für die Patientenbe- treuung zulässt.
Bezüglich des Versandes des Fragebogens zur Struktur der teilnehmenden Krankenhäuser, wie er vor 3 Jahren bereits versandt wurde, wird um eine rege Teilnahme an der Umfrage gebeten. Die ermittelten Zahlen sollen rasch ausgewertet und den Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Auf Grund dieser Erhebungen kann eine realitätsbezogene Beurteilung der Situation stationärer Diabetes-Betreuung in Sachsen erfolgen und in entsprechende Entschei-dungen einfließen. Es wird gebeten, diesbezüglich Vorschläge für anstehende Problemdiskus-sionen an den Leiter der AK und den Vorsitzenden der Gesellschaft einzureichen. Sollten spezielle Themen auf dem nächsten Treffen erörtert werden, sind die bitte ebenfalls an den Leiter der AK zu übersenden.
Erneutes Treffen für 09.06.2004 geplant.

P. Bsdok / Prof. Dr. med. habil. Bauch

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